Sebastian Meyer

Kete- sieht aus wie ein einmal zusammengeklappter Pfannkuchen gefüllt mit Käse und Kräutern. Super fettig aber auch super lecker. Definitiv wert dafür eine geschlagene Stunde mit meinem klapprigen Auto durch die schlecht ausgebauten Bergstraßen zu fahren.

Ich bin Sebastian, 21 Jahre alt und aus Bremen kommend. Seit nun 6 Monaten lebe und arbeite Ich im Kaukasus. Hautsächlich bin Ich in der Jugendorganisation „Bridge to the Future“ in Ganja, Aserbaidschan tätig. Viel Zeit verbringe Ich aber auch im schönen Nachbarland Georgien. Ich absolviere hier meinen Europäischen Freiwilligendienst, auch gerne als EFD oder EVS abgekürzt. Das Hauptaugenmerk bei meinen Aufgaben liegt im Bereich der Jugendarbeit, jedoch gehe Ich auch desöfteren in eine Universität der Stadt, wo Ich beim Deutschunterricht assestiere.

Wie jeden Morgen werde Ich ohne das Stellen eines Weckers wach. Das laute und ununterbrochene Hupen des uralten Wasserwagens aus Sovjet Zeiten lässt mich nie im Stich. Täglich um 9 Uhr fährt dieser vor unserem bröckeligen Plattenbau vor um die Einwohner mit Frischwasser aus der Göygöl Region zu versorgen. Man munkelt dies sei sauberer als das Leitungswasser, beweisen kann es aber niemand. Kurz nach dem Aufstehen drehe Ich den Gasherd auf und erhitze das Wasser für den hier so beliebten schwarzen Tees. Wirklich, überall wo man auch hingehen mag, Tee ist stets allgegenwärtig. In womöglich jedem zweiten Häuserblock befindet sich ein Teehaus, die man hier als „Cay Evi“ kennt. Hier ist immer etwas los, hauptsächlich ältere Herren verbringen hier Ihren Lebensabend. Tee und Domino, das ist die Welt der männlichen Rentner Aserbaidschans. Frauen sind hier jedoch Tabu. Die Gesellschaft ist, zumindest in den Gegenden abseits der Hauptstadt Baku, sehr von den Männer dominiert und gesteuert.

Nachdem Ich meinen Tee getrunken habe mache Ich mich auf den Weg ins Büro. Ich habe 2 Möglichkeiten um dort hinzugelangen: Entweder Ich nehme für umgerechnet 0,10 € einen der Busse oder Ich benutze mein Auto – ein 34 Jahre alter Lada Niva, der zuvor schon bestimmt die ein oder andere Million in der ehemaligen Sovjet Union zurückgelegt hat. Aufgrund der optsichen Erscheinung dieses Vehikels,  werde Ich des öfteren von der Polizei angehalten. Diese Bemängeln dann den technischen Zustand des in Russland produzierten Fahrzeuges und drohen dann damit mir Strafzettel auszustellen. Bisher konnte Ich dies aber immer abwenden, aus Gründen die Ich hier nicht nennen sollte.

Angekommen im Büro, welches offiziel um  9 Uhr  öffnet, bin Ich um 11 Uhr meist einer der Ersten der mit der Arbeit beginnt. Auf Pünktlichkeit und Öffnungszeiten wird hier nicht so viel Wert gelegt wie in anderen Ländern, aber man gewöhnt sich recht schnell dran. Im Winter war es im Büro kälter als draußen, die Gasöfen kamen gegen die Kälte nicht and und wir saßen allesamt in dicken Jacken bei gefühlten 0°C an unseren Tischen. Im Sommer hingegen sitzt man in einem völlig aufgeheiztem 40°C heißen Büro und versucht mit zahlreichen Ventilatoren dem Hitzschlag zu entgehen.

Hier bei uns in Ganja, der zweitgrößten Stadt des Landes, gibt es lediglich eine recht erschaubare Anzahl an Freizeitaktivitäten die man wahrnehmen kann. Als Tourist hat man hier in einem Tag alles gesehen. Aufgrund dieses geringen Angebots begebe Ich mich oft mit meinen Freunden etwas Abseits der Stadt. Ganja ist umringt von atemberaubend schönen Gebirgen, die nur darauf warten erkundet zu werden. Meistens verschlägt es uns in die Göygöl/Hacikend Gegend. Hier gibt es neben einer super Aussicht und klasse Bergpanorama auch das beste Kete des Landes. Kete- sieht aus wie ein einmal zusammengeklappter Pfannkuchen gefüllt mit Käse und Kräutern. Super fettig aber auch super lecker. Definitiv wert dafür eine geschlagene Stunde mit meinem klapprigen Auto durch die schlecht ausgebauten Bergstraßen zu fahren.

Auch sehr gerne nehme Ich die mehr als 300 KM nach Baku auf mich. Baku ist eine komplett andere Welt als der Rest des Landes. Hier man die Möglichkeiten und Optionen etwas zu unternehmen. Das Stadtbild ist geprägt von sehr alten und hochmodernen Bauwerken, dieser Kontrast fällt teilweise sehr heftig aus. Wenn man zuerst den ländlicheren Teil oder einer der anderen größeren Städte bereist, und danach Baku sieht, könnte man durchaus meinen man hätte ein anderes Land betreten. Manchmal habe Ich mich wie in einer europäischen Großstadt gefühlt . Auch die Menschen, deren Mentalität und Sichtweise auf die verschiedensten Dinge sind hier umgekehrt als im Rest des Landes.  Allgemein gibt es in und um Baku herum viel zu sehen und zu erkunden. Das Preisniveau ist aber dafür auch höher, für europäische Touristen trotzdem noch recht erschwinglich.

Alle möglichen Leute haben wir prohezeit, dass Ich  im Kaukasus einen Kultur Schock erleiden werden. Dies ist aber nie der Fall gewesen, ab der ersten Sekunde in dieser Gegend habe Ich mich sehr wohl und gut aufgenommen gefühlt. Zu verdanken ist dies den unglaublich liebenswerten und gastfreundlichen Einwohner dieser schönen Länder, am meisten zu spüren kriegt man dies jedoch in Aserbaidschan. Egal wo man hingeht, eine Einladung zum Tee oder Essen ist nie weit entfernt. Ich bin sehr glücklich diesen Schritt getan zu haben, ein Schritt ins Ungewisse, da es im vornherein schwierig ist gescheite Informaionen über das Leben in diesen Ländern zu erhalten.

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